„Beseelte Ornamentik“ in der Ehemaligen Synagoge Gelnhausen

„Sonnen – Monde – Ornamente“ lautet vom 8. bis 22. November das Thema einer Ausstellung von Gemälden und Objekten der Künstlerin Sibylle Kaspary in der Ehemaligen Synagoge in Gelnhausen. Zur Vernissage am Sonntag, 8. November, 17 Uhr, sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Die Ausstellung ist dann bis zum 22. November immer mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

Organische Formen sind seit vielen Jahren Kennzeichen in der Malerei von Sibylle Kaspary. 2012 kam dann die Auseinandersetzung mit dem Ornament hinzu. Angeregt von einer Reise nach Marokko und inspiriert von der dort vorherrschenden ornamentalen Kunst und Kultur begann Sibylle Kaspary damit, sich  immer intensiver mit dem Malen kleiner Muster auf großen Formaten zu beschäftigen. Herausgekommen sind  Bilder und Objekte in Acryl auf Holz gemalt, die nur eine ganz begrenzte Farbigkeit zulassen. Zumeist ist es ein Zusammenspiel von lediglich zwei Grundfarben, die eine spannungsreiche Partnerschaft eingehen.

Im Jahr 2014 entstanden viele schwarz-weiße Bilder. Geprägt von persönlichen Erfahrungen Sibylle Kasparys in diesem Jahr steht diese Farbkombination für die Dualität  des Daseins: Licht – Schatten, Hell – Dunkel, Tag – Nacht, Sonne – Mond, Leben und Tod. Die Ornamentik in ihrer Malerei bekommt in dieser Auseinandersetzung eine besondere Tiefe. Weggehend vom musterhaft dekorativen spricht Sibylle Kaspary hier selbst vom „beseelten Ornament“. Wo aber begegnen uns in unserer Lebenswelt organische Formen und Ornamente? Für Sibylle Kaspary erschließen sie sich etwa bereits im Betrachten eines Auges, einer Ohrmuschel, einer verschlungenen Wurzel, eines mäandernden Astes, eines Buchstabens, einer Zahl, des Mondes, der Sonne, eines Häkeldeckchens…

Mit Material zu arbeiten ist ein weiteres Merkmal in Sibylle Kasparys Werk der letzten Jahre. Oftmals werden Textilien, Fell, Leder, aber auch Spiegelscherben, Gips, Holz, Baumrinde und Wolle verarbeitet. Dabei wird das Material seiner ursprünglichen Funktion und Form enthoben und in vollkommen neuen Kontexten zusammengesetzt. Auf diese Weise enthält das Material eine ganz andere Qualität und wird in seiner oftmals organisch musterhaften Anordnung zum Vermittler einer greifbaren Dreidimensionalität. Es tritt aus der Eindimensionalität des Bildträgers hervor und lädt dazu ein, genauer betrachtet und erforscht zu werden.


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