Gelnhausen trotz mangelnder Unterstützung gewappnet für weitere Flüchtlinge

„Die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns stellen müssen und die von allen deutschen Städten und Gemeinden gleichermaßen geschultert werden muss, auch von uns hier in Gelnhausen“, betont Bürgermeister Thorsten Stolz mit Blick auf die Ankündigung des Main-Kinzig-Kreises, laut der die Barbarossastadt im Laufe des Jahres weitere rund 100 Flüchtlinge aufnehmen soll. Der Rathauschef, der angesichts steigender Flüchtlingszahlen bereits beim Neujahrsempfang auf die wachsende Anzahl in Gelnhausen unterzubringender Asylbewerber und Flüchtlinge  hingewiesen hat, lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Stadt dieser Verpflichtung auch nachkommt: „Das ist vollkommen in Ordnung, denn eine Stadt wie Gelnhausen mit 22000 Einwohnern und einer gesunden Struktur muss in der Lage sein, am Ende auch 200 Menschen aufzunehmen“. Starke Kritik übt Thorsten Stolz in diesem Zusammenhang an der bislang unzureichenden Unterstützung der Kommunen durch Bund und Land.

Derzeit leben 109 Flüchtlinge und Asylbewerber in Gelnhausen. Weit über 80 Prozent von ihnen kommen aus Syrien, andere aus Ländern wie Somalia, Eritrea, Äthiopien, Afghanistan und Albanien. Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung gehen davon aus, dass auch der Großteil der in den nächsten Monaten erwarteten Flüchtlinge aus Syrien kommt, darunter auch wieder Familien mit kleinen Kindern.

Die Hilfsangebote für die Flüchtlinge gehen in Gelnhausen weit über die Unterbringung in Wohnungen hinaus und erfahren viel Unterstützung durch bürgerschaftliches Engagement. „Es geht ja nicht nur um die Finanzierung der Unterbringung in Wohnungen oder Gemeinschaftsunterkünften, sondern auch um das Thema Erstaustattung mit Kleidung und Möbeln. Auch ist es von großer Bedeutung, dass die Flüchtlinge vernünftig begleitet werden, damit sie sich hier zurecht finden“, berichtet Bürgermeister Stolz. Dazu finanzieren die Stadt Gelnhausen und der Evangelische Kirchenkreis gemeinsam eine Teilzeitkraft. Mit der Caritas laufen Gespräche, um diese erforderliche Hilfe zu erweitern, besonders in den Gemeinschaftsunterkünften. „Unsere Kirchengemeinden und zahlreiche ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger engagieren sich hier sehr und leisten viel konkrete Hilfe“, lobt der Rathauschef und betont: „Ohnehin bin ich sehr froh, dass die überwiegende Mehrheit der Gelnhäuser Verständnis für die Menschen hat, die zu uns kommen“.

In der Pflicht sieht Thorsten Stolz aber auch Bund und Land, an deren Verhalten er deutliche Kritik übt: „Was sich hier seit Monaten auf dem Rücken und zu Lasten der Städte und Gemeinden abspielt, ist schlicht und einfach nicht in Ordnung.  Die Städte und Gemeinden werden im Hinblick auf die Finanzierung der Unterkünfte wie Bittsteller behandelt und das ist in dieser sensiblen Frage aus meiner Sicht ein schwerer Fehler. Um jeden Euro müssen wir gegenüber Bund und Land kämpfen, das ist schlichtweg deprimierend.“ Alleine die Bereitstellung von ausreichend Wohnraum in einzelnen Wohnungen oder in Gemeinschaftsunterkünften stelle viele Städte, Gemeinden und Landkreise vor eine „Mammutaufgabe“. Da sei es völlig unverständlich, dass die Kommunen auch noch um jeden Euro betteln müssten.

Der Bürgermeister kritisiert vor allem das Wegducken der Bundespolitik und die bislang unzureichende finanzielle Unterstützung der Kommunen: „Nicht die Städte und Gemeinden, nicht Bürgermeister und Landräte beschließen die Aufnahme von Flüchtlingen, sondern die Verantwortlichen im Bund. Es muss daher eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Kommunen zu hundert Prozent, und nicht nur teilweise, bei der Umsetzung dieser wichtigen Aufgabe und Herausforderung entlastet werden.“

Aus aktuellem Anlass übt der Bürgermeister auch starke Kritik am Land Hessen: „Ich habe beim Blick nach Wiesbaden den Eindruck, dass die vom Bund zusätzlich zur Verfügung gestellten Finanzmittel nicht eins zu eins an die Kommunen weiter gegeben werden. Darauf lässt die Aussage des hessischen Sozialministers Grüttner schließen, der auf gezielte Nachfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sehr ausweichend geantwortet hat, dass er die vom Bund für die Kommunen bereitgestellten zusätzlichen Finanzmittel in Höhe von 37 Millionen Euro ‚im Interesse’ der Kommunen verwenden werde.“ Dies sei für die hessischen Landkreise, Städte und Gemeinden so nicht zu akzeptieren und müsse endlich von den heimischen Landtagsabgeordneten mit Nachdruck in Wiesbaden thematisiert werden.

Wie berichtet sucht die Stadt Gelnhausen leerstehende Wohnungen zur Anmietung für die in den kommenden Monaten erwarteten Flüchtlinge. Vermieter melden sich bei Anke Veith-Deusinger, Tel. 06051/830-124, oder Heike Nachtigal, 06051/830-126. Die beiden Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung erteilen auch weitere Informationen.


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