Das Bauwerk

Die Kaiserpfalz Gelnhausen war eine Wasserburg; sie bestand aus der ummauerten Kernburg und der Vorburg, die zunächst und bis ins 16. Jahrhundert nur vor der Westseite lag und erst später auch die Nordseite umgriff. Beide Teile sind noch heute zu erkennen. Die unbebaute westliche Insel diente vielleicht als kaiserlicher Tiergarten, wie auf der Insel der Hagenauer Pfalz im Elsaß, die Kaiser Friedrich Barbarossa etwas früher erbauen ließ.

Die Anlageform einer Kaiserpfalz des 12. Jahrhunderts wurde wesentlich vom Zweck bestimmt. Als zeitweilige Residenz des Reichsoberhauptes waren die Pfalzen in der mit Karl d. Großen im 8. Jahrhundert beginnenden mittelalterlichen Kaiserzeit zunächst nicht vorrangig als Verteidigungsanlagen erbaut worden. Die Pfalz Karls d. Großen in Aachen hatte keine Befestigungen. Im 10. und 11. Jahrhundert entwickelte sich aus einfachen Turmanlagen heraus die Bauform der Burg mit mehreren Bauteilen als Sitz der Feudalherren. Sie diente in erster Linie der Verteidigung. Die übrigen Funktionen, Wohnsitz des Burgherrn und Mittelpunkt einer Grundherrschaft, hatten zugunsten der Verteidigungsfähigkeit zurück zu treten. Im 12. Jahrhundert, der hohen Zeit mittelalterlichen Burgenbaues in ihrer einfachen Grundform mit Ringmauer und Hofgebäuden, bevor die immer weiter fortschreitende Entwicklung der Angriffswaffen die Burg zur vielfach gestaffelt zu verteidigenden Festung verwandelte, mußte auch eine Kaiserpfalz die Anlageform einer Burg erhalten. Sie mußte die Verteidigungsanlagen einer Burg zumindest teilweise besitzen und zugleich ihren Anspruch als Sitz des Herrschers architektonisch darstellen. Trotz der Übernahme der Anlageform einer Burg sind die Pfalzen des 12. Jahrhunderts nicht in erster Linie als Verteidigungseinrichtungen angelegt worden. Der herrscherliche Anspruch blieb vorrangig bei ihrer Gestaltung.

Die mit einer Ringmauer umgebene Kernburg ist nach einheitlichem Plan in die Flußschleife hinein gebaut worden, die den schmaleren östlichen Inselteil umschließt. Die Mauer folgt offensichtlich dem Lauf der beiden Kinzigarme. Zusätzliche, heute nicht mehr vorhandene Wassergräben, verliefen vor der West- und Nordseite, so dass die Kernburg und die älteste Vorburg ringsum vom Wasser umgeben waren. Der westliche Graben befand sich etwa an der Stelle der heutigen Burgstraße. Möglicherweise wurden beide Gräben erst im 15. Jahrhundert angelegt. Der trapezförmige Grundriß bot im Westteil an drei längeren, geraden Mauerstücken Platz für Hauptbauten, während der Hof östlich unregelmäßig sechseckig geschlossen ist. Der einzige Zugang befand sich an der Westseite. Von den wesentlichen Bestandteilen einer Burg sind Ringmauer, Palas und Kapelle noch vorhanden oder in Resten erhalten. Ein runder Bergfried sollte mit 16 m Durchmesser im östlichen Hofbereich errichtet werden, kam aber nicht über Sockelhöhe hinaus. Der quadratische Turm an der Westseite dient als Torturm und Bergfried zugleich: neben ihm befindet sich die Torhalle mit darüberliegender Kapelle. Der Hof war ursprünglich von Gebäuden eingeengt, daher entsprach er in seinem Erscheinungsbild mehr als heute den oft sehr engen Burghöfen, denen gegenüber er freilich wiederum weiträumig wirkte. Die früher höhere Ringmauer diente als Rückwand der Gebäude. An der zur Vorburg gewendeten und dadurch geschützteren nördlichen Langseite liegt der Palas als Hauptwohnbau. Ein weiteres Gebäude, vielleicht mit der Küche, folgte östlich bis fast zur Mauerecke. An der Südseite standen Gebäude, die zumindest in den Obergeschossen Wohnzwecken gedient haben, jedoch keinesfalls so prächtig wie der Palas ausgesehen und wahrscheinlich teilweise aus Fachwerk bestanden haben.

Die Vorburg ist weitläufig und umgreift die Kernburg an der Nord- und Westseite. Wie jede größere Burg besaß auch die Kaiserpfalz von Anfang an eine Vorburg, zunächst mit Graben, Erdwall und Palisaden gesichert. Spätestens im 15. Jahrhundert entstanden Mauern, ein Zwinger, der an der Westseite die Vorburg einbezog, und drei Tortürme.

In der Vorburg standen, neben zusätzlichen Wirtschaftsgebäuden für die Kernburg, Häuser und Wirtschaftshöfe der Burgbesatzung. Das waren die sogenannten Burgmannen, die entweder selbst oder durch Beauftragte ihren Dienst versahen. Sie standen in ihrer ursprünglichen Funktion am unteren Ende der feudalen Oberschicht. Die verhältnismäßig große Ausdehnung war auch deshalb nötig, weil bei Kaiserbesuchen und Reichsversammlungen viele Menschen mit Reittieren und Fuhrwerken erschienen, für die in der Kernburg kein Platz war. Später entwickelte sich daraus die kleine Siedlung, wie es oft am Rande von Burgen geschah. Die Burgsiedlung hatte hier allerdings keine Chance zum Ausbau, weil die Reichsstadt Gelnhausen daneben lag.

Die Kernburg nimmt keine beherrschende Stellung mehr ein, seit sie Ruine ist. Ursprünglich überragte sie mit mächtigem Turm und hohen Mauern und Dächern die niedrige Vorburgbebauung. Die Anlage wirkte neben der großen befestigten Reichsstadt als kleinere, selbständig befestigte Siedlung.

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