Etwas Geschichte

Als der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1170 die Reichsstadt Gelnhausen an der Stelle einer kleineren älteren Siedlung gründete, war dies ein politischer Akt zur Sicherung des umfangreichen Reichsgutes, das sich in der Wetterau, an den westlichen Ausläufern des Vogelsberges und im Kinzigtal erstreckte.

Grundlage der mittelalterlichen Herrschaft war vor allem der Besitz am Boden mit den daran haftenden Rechten; dazu gehörten nicht zuletzt auch die leibeigenen Bauern als wichtigste Erwerbspersonen der damaligen Agrar- und Naturalwirtschaft. Auch der König konnte sich nicht allein auf eine Staatsidee oder das Zusammengehörigkeitsgefühl der deutschen Stämme verlassen; sein Durchsetzungsvermögen gegenüber den einflußreichen Hochadligen des Reiches hing entscheidend davon ab, über welche Hausmacht er verfügte. Neben den angestammten Besitzungen seiner Familie suchte er sich auch auf das althergebrachte Reichsgut zu stützen, das seit der Zeit Karls des Großen besonders am Mittelrhein sehr umfangreich war; auch die Wetterau gehörte zu der traditionellen „Königslandschaft" des Rhein-Main-Gebietes. Dieses Königsgut drohte allerdings immer wieder verlorenzugehen. Der Grund dafür ist in dem Lehnswesen zu suchen, das die charakteristische Form der mittelalterlichen Herrschaftsausübung darstellte. Der König verpflichtete sich seine adligen Getreuen dadurch, daß er ihnen Grundbesitz als Lehen (feudum) übertrug, welches diese ihrerseits unterverleihen konnten. Auf den so entstehenden vielfältigen Lehnsbeziehungen beruhte das mittelalterliche und bis in die Neuzeit hinein wirkende Herrschaftssystem des Feudalismus. Ursprünglich endete das Lehnsverhältnis spätestens mit dem Tod des Gefolgsmannes, später jedoch wurde es zunehmend erblich und drohte dadurch dem König weitgehend die Verfügungsgewalt über sein Reichsgut zu nehmen. Auf diese Weise trug das Lehnssystem dazu bei, daß es in Deutschland schließlich Hunderte von mehr oder weniger selbständigen kleinen Herrschaftsgebilden gab. Die deutschen Könige, die erst durch die vom Papst in Rom vorgenommene Krönung Kaiser des römischen Reiches wurden, haben sich namentlich im 11. und 12. Jahrhundert immer wieder gegen die ständige Demontage ihrer Rechte gewehrt. Als die Staufer im Jahr 1138 mit Konrad III. für mehr als ein Jahrhundert die Königsherrschaft erlangten, wurde die Wetterau neben dem Elsaß und einigen anderen Landschaften zu einem wichtigen Faktor ihrer Politik, die die zentrale Königsgewalt stärken sollte. Ebenso wie ihre Vorgänger verfügten auch die Staufer in der Wetterau über beträchtliches Reichsgut, das sie teils Adligen (Herren von Büdingen), teils Dienstmannen bzw. Ministerialen (Herren von Münzenberg) zur Verwaltung übertrugen. Besonders von Gefolgsleuten niedrigerer Herkünft erhofften sich die könige besondere Zuverlässigkeit und suchten durch ihren Einsatz die Nachteile des Lehnswesens - nämlich den ständigen Abbau des Reichsgutes - zu vermeiden. Auch den Aufschwung des Städtewesens seit dem 10.-11. Jahrhundert benutzten die Staufer zu Neugründungen, weil sie sich von dem Besitz eigener königlicher Städte, die von dem Hochadel unabhängig waren, eine Stärkung ihrer Macht versprachen. Im Rahmen dieser Politik entstanden im 12. Jahrhundert in der Königslandschaft der Wetterau neben der Ministerialenburg Münzenberg und den Adelsburgen Büdingen, Ortenberg und Staden auch die Reichsstädte Friedberg und Gelnhausen.

Die Anlegung einer Kaiserpfalz neben der Reichsstadt Gelnhausen unterstrich die Bedeutung dieses Platzes für die Politik der Staufer, die Ansprüche des Reiches in für wichtig gehaltenen Landschaften zu wahren. Neben der Reichsstadt Friedberg beispielsweise wurde nur eine Reichsburg ohne Pfalz gegründet. In Gelnhausen wollte Friedrich Barbarossa die Gegenwart der Stauferkaiser demonstrieren, indem er den Ort in die Reihe der Pfalzen aufnahm, in denen die mittelalterlichen Kaiser wechselnd residierten und die Regierungsgeschäfte erledigten.

Die Herrscher des abendländischen römischen Reiches übten im Gegensatz zu den nachgeahmten Kaisern des alten Rom oder den ebenfalls die antike Tradition fortführenden byzantinischen Kaisern ihr hohes Amt im Umherziehen aus. Von Pfalz zu Pfalz zogen sie mit ihrem Gefolge und darüber hinaus standen ihnen bestimmte Klöster und die Bischofsresidenzen zur Verfügung. Sogenannte Itinerare überliefern als Reisewegbeschreibungen, dass die Kaiser ständig in ihrem mehr oder weniger eng zum Reich gehörenden riesigen Herrschaftsgebiet zwischen Nordsee und Mittelmeer, Frankreich und der Elbe unterwegs waren und sich selten länger als Tage oder wenige Wochen an einem Ort aufhielten. Neben der komplizierten Verfassungsstruktur des Reiches und des deutschen Königtums war das Reisekaisertum auch in der primitiven Wirtschaftsstruktur großer Teile des Reiches begründet. Einfach ausgedrückt: Kaiser, Regierung und Gefolge konnten sich immer nur solange an einem Ort aufhalten, wie die Vorräte reichten.

Neben der Funktion als zeitweilige Residenz des Reichsoberhauptes war die Pfalz auch Verwaltungsmittelpunkt für das umliegende Königsgut. Beide Funktionen machen deutlich, dass die Pfalz nicht in erster Linie befestigter Platz an strategisch wichtiger Stelle ist, wie in der Regel die mittelalterliche Burg. Bei der Wahl der Kinziginsel vor der Reichsstadt Gelnhausen spielte deshalb die Lage an einer der bedeutendsten Fernstraßen des Mittelalters zwischen Westeuropa und Mitteldeutschland eine Rolle. Überdies war die Kinzig bis zum Main für kleine Schiffe befahrbar. Eine nicht zu unterschätzende Funktion war schließlich auch die eines Jagdschlosses am Rande des wildreichen Büdinger Königsforstes. Ähnlich wie im elsässischen Hagenau vermischen sich die Funktionen der Pfalz als Ort herrscherlicher Repräsentation und als Verwaltungsmittelpunkt mit denen eines Jagdschlosses.

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