Steinmetzarbeiten

Unter den zahlreichen Bildhauerarbeiten der Pfalz, die vor allem als Kapitelle, Friese und Platten erhalten sind, nehmen die des Palas den ersten Platz ein. Sie gehören zu den schönsten Werken der Bauplastik in der deutschen Kunst des ausgehenden 12. Jahrhunderts. Der hohe Stand der Bildhauerkunst, der in dieser Zeit nicht zuletzt durch Aufträge der Stauferkaiser erreicht worden ist, wird an kaum einer anderen Stelle so vollkommen dokumentiert, es ist das formschönste und delikateste, was romanische Meißelarbeit hervorgebracht hat (G. Dehio). Der Reichtum an künstlerischer Phantasie konzentriert sich selbstverständlich nicht nur aus Schmuckfreude am kaiserlichen Palas in Gelnhausen. Wie sich der Palas schon durch die Form der mehrteiligen Fensterarkade als Gebäude von besonderem, herrscherlichem Anspruch darbietet, wird auch die Verzierung eingesetzt, um diesen Eindruck noch prächtiger zu steigern.

Am Portal verteilt sich der Schmuck mit sehr unterschiedlicher Wirkung auf drei Zonen. Die drei Halbsäulen jeder Seite haben kleine Blattkapitelle und Knollen. Der auf den seitlichen Kämpfern auflagernde größere Rundbogen um die Kleeblattöffnung hat als Oberleitung zur zurückliegenden Wandschicht einen Viertelrundstab. Hier ist in flachem Relief zartes Palmettenblattornament ausgemeißelt. Völlig anderen Charakter hat der als Hauptträger des Schmuckes ins Auge springende Kleeblattbogen, dessen vordere Kante als Viertelrundstab gebildet ist. Der Stein ist hier jedoch raumhaltig in die Tiefe ausgearbeitet, so dass zwei Schichten entstehen: Ranken und hineinverwobene Figuren über massivem Kern. Die acht Menschen sind in das immer wieder ins Rund kreisende Rankenwerk eingewachsen, dass sie als Teile der Pflanzen erscheinen. Möglicherweise ist der Figurenreigen als Jahresablauf zu deuten, personifiziert durch Männer in jahreszeitlich typischen Tätigkeiten, links unten eröffnet durch den doppelköpfigen römischen Gott Janus (Januar), der das Jahr eröffnet. Die starke Verwitterung läßt eine genaue Deutung der Figuren nicht mehr zu. Ziemlich deutlich ist u. a. ein Säemann zu erkennen (links neben dem Bogenscheitel), daneben könnte der Mann einen Dreschflegel halten. Das Motiv einer derartigen Ranke hat der Gelnhäuser Bildhauer aus der Kunst in Toulouse übernommen. Über dem Portal ist nach 1818 der sogenannte Barbarossakopf eingesetzt worden. Vorher befand sich der Kopf in der Torhalle; wo er ursprünglich saß, ist unbekannt. Der Kopf mit geteiltem Bart, der in zwei Tierköpfen endet, wird als Allegorie der Eitelkeit gedeutet.

Von den 16 Kapitellen der Fensterarkaden ist das nordwestliche der ganzen Reihe erneuert (Original im Kloster Seligenstadt). Noch stärker als beim Kapitellschmuck der Kapelle fällt die Vielfalt der Gestaltung auf. Die Grundform ist aber auch hier das Kelchblockkapitell. Die Kämpfer über den Kapitellen sind mit Ausnahme des südöstlichen der Gesamtreihe reich dekoriert. Neben Palmettenblatt- und dickblättrigen Blattkapitellen, wie sie sich in gleicher Art in der Kapelle finden, treten Kapitelle mit anderen, weniger stilisierten Blättern und solche mit Ranken und hineingewobenen menschlichen Figuren oder Tiermasken, bei denen die Oberleitung vom unteren Kelch zum Block meist durch Eckblätter erfolgt. Kapitelle dieser Art stehen der Ranke des Kleeblattbogens am Portal nahe. Vor allem das ausgewechselte nordwestliche Kapitell mit seinen vierseitig verschiedenen Menschendarstellungen und den ebenfalls verschiedenen Tierköpfen des Kämpfers, aus denen Ranken wachsen, muß als Werk des gleichen Meisters bezeichnet werden. Auf einem anderen Kapitell sind die Blockseiten mit Löwenköpfen verziert.

Zwei figürliche Bildwerke waren bzw. sind an den Arkaden zu sehen. Über dem von Westen her vierten Säulenpaar saß eine nur noch auf alten Fotos erkennbare Maske, ein Kopf mit herausgestreckter Zunge in gleicher Bedeutung, wie sie die Maske am Torturm hat: ein abschreckendes Symbol. Über dem sechsten Säulenpaar befindet sich eine beschädigte Männerbüste, der Kopf ist jedoch gut erhalten. Das Motiv hat der Baumeister aus Südfrankreich übernommen. Die Deutung ist ungewiss. Sicher hat hier nicht, wie G. Binding meint, der Bildhauer der Palmettenkapitelle für den verstorbenen Bildhauer der Rankenkapitelle ein Erinnerungsporträt geschaffen. Diese Vorstellung ist völlig unmittelalterlich. Eher könnte an das Bildnis des Baumeisters gedacht werden, jenes Meisters, der den einheitlichen Gesamtplan der Anlage um 1180 entworfen hat und der Leiter der bis zum Ende der Bauarbeiten bestehenden Bauhütte gewesen ist.

Digitaler Stadtrundgang

Entdecken Sie Gelnhausen mit Hilfe des Verkehrsverein Gelnhausen e.V.

Zum Stadtrundgang

Gelnhausen erleben

Besuchen Sie uns auf Facebook um weitere Informationen zu erhalten.

Zu Facebook

BürgerGIS

Das neue geografische Informationssystem der Stadt Gelnhausen finden Sie hier.

Zum BürgerGIS

Tickets bestellen

In unserem Ticket-Shop können Sie Tickets für jede Veranstaltung vorbestellen.

Jetzt Tickets bestellen