Torhalle

Der Zwischenbau zwischen Palas-Südwestecke und Torturm entstand im letzten Teil der Bauperiode von 1180 bis 1192/95, als Torturm und Palas-Unter- und Hauptgeschoss schon aufgewachsen waren. Für die Torhalle musste ein Teil des Torturmes abgebrochen und wieder aufgebaut werden; die Kapellen-Nordwand steht mit dem Palas-Obergeschoß im Mauerverband, ist also mit diesem zusammen errichtet worden.

Man betritt die Kernburg der Kaiserpfalz durch das im Südschiff der zweischiffigen Torhalle befindliche Burgtor. So düster und drückend uns heute diese Torhalle vorkommt: für die Verhältnisse einer Burg des späten 12. Jahrhunderts ist der Raum großzügig und repräsentativ angelegt. Weit öffnet sich der Blick durch die beiden hofseitigen Arkaden auf den Burghof und auf den Kaiserpalast. Hier ist nichts von abwehrender Architekturgestaltung zu spüren. Es ist der Auftakt zu einer kaiserlichen Hofhaltung.

Der Innenraum ist zweischiffig, jedes Schiff zu drei Gewölbejochen. Gedrungene Säulen mit den einzigen Würfelkapitellen der Pfalz tragen das Konstruktionssystem der Scheid- und Gurtbögen, die an den Wänden auf kräftigen Wandvorlagen ruhen. Vier schildartige Vertiefungen der Kapitelle, die durch ihre tauförmig gemeißelten Trennstäbe eine Auflockerung des Würfels in vier Teile bewirken, sind ein Motiv der elsässischen Baukunst des 12. Jahrhunderts. Das nördliche Schiff hat noch Kreuzgratgewölbe. Im Südschiff sind sie im 14. oder 15. Jahrhundert durch Rippengewölbe ersetzt worden - Zeichen frühzeitig einsetzender Bewegung im Mauerwerk infolge schlechter Fundamentverhältnisse. Beide Gewölbe worden 1859/60 erneuert.

Die Pforte der Südseite führt zu der in der Torturmmauer nach oben gehenden schmalen Treppe und durch eine 1860 ins Torturm-Erdgeschoss gebrochene Öffnung zum Lapidarium. Die Pforte der Nordseite führt zu einer ursprünglich zweiläufigen Treppe zum Obergeschoß des Palas und zur Kapelle über der Torhalle. Teilweise erhalten ist nur ein Lauf. Die enge Treppe war das Haupttreppenhaus für den kaiserlichen Palas, denn nur ins erste Obergeschoß - dessen Arkaden erhalten sind - führte eine Freitreppe vom Hofe aus. Das nicht mehr vorhandene zweite Obergeschoß mit dem Reichssaal war nur über die Innentreppe erreichbar.

In der Torhalle aufgestellt sind auch die beiden Bogenfeld-Reliefs (Tympana). Wo sie ursprünglich angebracht waren, ist nicht bekannt, jedenfalls nicht dort, wo sie die Rekonstruktion G. Bindings zeigt: über dem Portal an der Hoffassade des Palas. Möglicherweise befanden sie sich im Inneren des Palas über Türen. Das kleinere Tympanon zeigt einen Löwen, der ein Lamm reißt, das größere eine dreifigurige, schlecht erhaltene Szene. Nur die größere Mittelperson mit Schwert und Kreuz ist deutlich erkennbar. Die Knienden könnten links als bärtiger Mann, rechts als Frau angesprochen werden. Die Andeutung eines Heiligenscheines hinter dem Kopf der Mittelperson könnte auf Christus deuten, der dem Kaiser die weltliche Gewalt in Gestalt des Schwertes verleiht, die weibliche Figur wäre möglicherweise als Kirche (ecclesia) zu deuten, die das Kreuz verliehen bekommt.

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