Die Baugeschichte

Zur Zeit der Staufer:

Man unterscheidet mehrere Bauabschnitte, von denen sich heute, abgesehen vom Ursprungsbau, noch drei mit Sicherheit erkennen lassen.

Bald nach der Erhebung Gelnhausens zur Freien Reichsstadt i. J. 1170 durch den Hohenstaufenkaiser Friedrich Barbarossa beginnt die 1. große Bauzeit der Marienkirche. Sie endet mit dem Untergang dieses Herrschergeschlechts um 1250.

Von dem Ursprungsbau (um 1151), einer kleinen einschiffigen Kirche, steht noch ein Teil der Westwand mit dem Eingangsportal. Dieser Kirche wurde in der ersten Bauperiode, im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts, der Westturm vorgesetzt, der zunächst vier Geschosse hatte. In Verbindung mit diesem Westturm muß die Saalkirche bald in eine kleine Basilika umgewandelt worden sein. Ein 1958 gefundener Gewölbeschlußstein eines rechteckigen Chorschlusses aus der Zeit um 1170 konnte mit diesem Bau in Zusammenhang gebracht werden.Sicher ist, daß sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts das Kloster zu einem größeren Umbau entschloß, wie es das wachsende Ansehen der aufblühenden Reichsstadt (Kaiserpfalz, Reichstage) erforderte. Geplant war damals eine dreischiffige kreuzförmige Pfeilerbasilika mit Vierungsturm und Osttürmen. Der Westturm wurde um zwei Geschosse erhöht. Während man am Langhaus arbeitete, erfuhr aber der Plan eine Änderung. Die Ursache dafür war der von dem kaiserlichen Vogt und der Bürgerschaft errichtete Neubau der Peterskirche, die inzwischen in ihrem Ostteil zur halben Höhe emporgestiegen war und durch ihren Formenreichtum die Kirche der Pramonstratenser in den Schatten zu stellen drohte. Auf Grund seines Patronatsrechts konnte das Kloster den Weiterbau der Nachbarkirche verhindern. An der Marienkirche wurden die Arbeiten nach einem nun veränderten Plan fortgesetzt. Für die Pramonstratenser bedeutete dies in Gelnhausen ein entscheidendes Abweichen von ihren Reformideen, verzichteten sie doch auf ihre bisherige strenge Bauordnung, die auf Klarheit im Aufbau und Sparsamkeit im Schmuck bedacht war. Der Streit um die Peterskirche ist daher für die nun großartige Gestaltung der Marienkirche von hochster Bedeutung. Ein anderer Baumeister übernahm alsbald die durch die Peterskirche gewonnenen künstlerischen Anregungen (Gestaltung der Nebenchöre) und suchte sie darüber hinaus durch Formenelemente des damals aus dem Westen eindringenden frühgotischen Stils, wenn auch nur äußerlich, zu bereichern. In dieser Zeit wurde zunächst das Langhaus vollendet, das noch den strengen Stil der Prämonstratenser erkennen laßt. Neu entstanden ferner, aber nur in halber Höhe ausgeführt, große Teile des Ostbaus: das Querhaus, die Vierungspfeiler, die Nebenapsiden und das Chorquadrat.Um 1225 wurde ein neuer Baumeister gewonnen, der die Arbeiten fortführte und vollendete. Dieser, Heinrich Vingerhut, dessen Bild und Name uns an dem nördlichen Querhausportal überliefert ist, stammte vom Mittelrhein. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat er den frühgotischen Stil aus eigener Kenntnis in Gelnhausen eingeführt. Außerdem hat er es verstanden, ihn in glücklicher Weise mit Elementen der mittelrheinischen Bauart zu verschmelzen. Während er im Langhaus geringe Veränderungen vornahm, hat er den übrigen Aus- und Aufbau völlig einheitlich um- und neugestaltet. Die Vollendung des Querhauses und der Vierung, ferner der Vierungsturm mit seiner Kuppel und vor allem der Neubau des großartigen Chores mit polygonalem Schluß zusammen mit dem größten Teil der Osttürme (vollendet erst in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, die Helme nicht so steil wie heute) sind sein eigentliches Werk. Wahrscheinlich stammt auch der in die Vierung vorspringende Lettner noch von unserem Meister. Er mag ungefähr um 1250 vollendet worden sein. Das einzige Baudatum aus dieser Zeit, 1232, an einem Eckstein der Sakristei (früher an einem Chorpfeiler), das den Abschloß der Außenarbeiten am Chor anzeigt, uberliefert zugleich auch den Namen des Bauherrn der Nachwelt: AN(n)O ·D(omini) MCCXXXII Xll · K(al)IVLII · D(ominus) · PAVL(us) · THESAVRARIVS · H(uius) ·ECC(lesi)E (Im Jahre 1232, am 20. Juni, Herr Paulus Schatzmeister dieser Kirche.)Während der Gotik:An der Kirche, die als ein im ganzen einheitlicher Bau aus der Zeit des Übergangsstils erscheint, wurden später nur geringe Veränderungen vorgenommen. So wurden die Seitenschiffe noch im 13. Jahrhundert verlängert, so daß der Westturm in den Kirchenraum einbezogen wurde. Im 15. Jahrhundert wurden dann beide Seitenschiffe noch erhöht und mit einer Reihe von Maßwerkfenstern versehen, denen bald im inneren Emporen folgten. Eine Jahreszahl an der Nordwestecke hält ein Datum dieser Umbauten fest: 1446.

Gotische Anbauten sind im Südosten die Sakristei und die Prozessionskapelle. Während die auf dem Rechteck erbaute Sakristei mit ihrem klaren Maßwerk noch dem 14. Jahrhundert angehört, zeigt das Maßwerk der siebenseitigen Prozessionskepelle schon das spätgotische Fischblasenmotiv. Hier befindet sich wieder eine Inschrifttafel mit dem Baudatum 1467 und den Namen der beiden Meister der Kirchenbau-"Fabrik".

Eine Michaelskapelle und ein Heiliges Grab aus gotischer Zeit befanden sich an der Nordseite des die Kirche einst umschließenden Friedhofs. Die zweistöckige, für Seelenmessen bestimmte Michaelskapelle, 1289 urkundlich erwähnt, enthielt im Untergeschoß zugleich ein Beinhaus. Das Heilige Grab, ein Quaderbau von 1490, wurde von einem Jerusalempilger gestiftet. Beide Bauten wurden 1825 bei Erweiterung der vorbeiziehenden Straße beseitigt.

Digitaler Stadtrundgang

Entdecken Sie Gelnhausen mit Hilfe des Verkehrsverein Gelnhausen e.V.

Zum Stadtrundgang

Gelnhausen erleben

Besuchen Sie uns auf Facebook um weitere Informationen zu erhalten.

Zu Facebook

BürgerGIS

Das neue geografische Informationssystem der Stadt Gelnhausen finden Sie hier.

Zum BürgerGIS

Tickets bestellen

In unserem Ticket-Shop können Sie Tickets für jede Veranstaltung vorbestellen.

Jetzt Tickets bestellen