Teppiche

Die Teppiche, früher in der nördlichen Seitenkapelle, jetzt in der ehemaligen Sakristei, dienten einst als Antependien. Der Passionsteppich (Anfang des 15. Jahrhunderts) stellt in zwei Reihen übereinander die Leidensgeschichte in zehn Bildern dar. Der Marienteppich (Ende des 15. Jahrhunderts) zeigt im ersten Bild Maria im Paradiesgärtlein, der ein von einem Engel gejagtes Einhorn in den Schoß springt (symbolische Darstellung der Verkündigung), und in den beiden anderen Bildern die Geburt und Anbetung Christi. Von den beiden farbenprächtigen Wirkereien entstammt die ältere der Vorlage einer oberdeutschen, die jüngere der einer mittelrheinischen Malerschule (Kreis des Hausbuchmeisters).

Das übrige Inventar: Die hölzerne Kanzel von 1600 ist eine Stiftung des Gelnhäuser Schultheißen (Praetor) Johann Koch, dessen Grabplatte erhalten ist.

Der neue Taufstein aus Maulbronner Sandstein (am südlichen Vierungspfeiler), ein Werk des Bildhauers Helmuth Uhrig, Arnoldshain (1963), will mit seinen drei Reliefbildern (Kreuzigung, Grab, Auferstehung) einen Hinweis auf Römer 6, 3 - 11 geben.

Das Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert hat drei oder vier aufklappbare Banksitze, die an der Unterseite einen schmalen Vorsprung (Misericordia) haben, damit die Chorherren auch im Stehen sich stützen konnten. Beachtenswert auf der Südseite sind die Schnitzereien an den Wangen, die Maßwerk, aber auch figürlichen Schmuck wie Hund, Löwe, Drachen und Ritter Georg zeigen. Der Viersitz mit dem puffartig vorgebauten Schrank diente als Sängerstuhl. Anderes Gestühl steht jetzt in der Nord- und Südkapelle, eines mit Jahreszahl 1493 und Adlerwappen einer Schultheißenfamilie.

Das Kruzifix über dem Lettner hat seinen Standort wiederholt gewechselt und ist erst endgültig 1934 hier aufgestellt worden. Der Meister dieses ausgezeichneten Werkes aus der spätgotischen Zeit gestaltete im Gegensatz zu der damaligen naturalistischen Darstellung des Todeskampfes Christi einen neuartigen Kruzifixus, indem er mit dem leidenden zugleich auch den erhöhten Herrn sichtbar werden läßt.

Das Sakramentshäuschen (14. Jahrhundert) an der Nordwand des Chorschlusses ist mit bemaltem Schnitzwerk gerahmt und im Inneren mit einer Marienkrönung und zwei Stifterwappen geschmückt. Die zwei Wandschränke (14. Jahrhundert) an der Südostwand des Chors, zur Aufbewahrung von Kirchengerät bestimmt, haben reich beschlagene Türen.

Von den heute noch vorhandenen Grabsteinen steht der älteste an der Nordwand des Querschiffes und trägt das Bildnis des Bischofs Konrad von Bondiz in lllyrien (gest. 1372), eines geborenen Gelnhäusers. Diesem gegenüber an der Südwand befindet sich das große Denkmal, das um 1600 für das Ehepaar Burggraf Johann von Lauter und Wilhelma von Colmar errichtet wurde. Das Grabmal läßt noch Spuren einstiger Bemalung erkennen. Das gleiche gilt von der Grabplatte hinter dem Hochaltar, die die in flachem Relief bemalte Porträtfigur des Schultheißen Johann Koch (gest. 1603) in vorzüglicher Ausführung zeigt. Außerdem sind eine Reihe von Gedächtnisgemälden (Epitaphien) aus dem 16. Jahrhundert vorhanden, unter denen das von Pfarrer Peter Strupp (1571) kulturgeschichtlich bemerkenswert ist.

Diese Ausstattung der Kirche auch mit Werken des späten Mittelalters stört doch nicht ihren einheitlichen Charakter. In Architektur, Plastik und Malerei gewährt die Marienkirche in Gelnhausen das Bild des Hohen Mittelalters und strahlt es in die Gegenwart aus. Es ist das Bild jener Kulturepoche, die der Verschmelzung des strengen Geistes asketischer Mönchszucht mit dem naturfrohen Lebensgefühl der ritterlichen Welt ihre Entstehung verdankt, jener Blütezeit vom Ende des 12. bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts, die geschichtlich mit den Namen der großen Hohenstaufenkaiser verbunden ist und literarisch in den Liedern Walters von der Vogelweide und der Parzivaldichtung Wolframs von Eschenbach gipfelt.

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