Grundsteinlegung und Bau

Im frühen 13. Jahrhundert beschloß die reiche und selbstbewußte Bürgerschaft Gelnhausens, eine Stadtpfarrkirche zu errichten, die dem Ansehen der Stadt und Gottes Lob gerecht werden sollte. Die Grundsteinlegung der St. Peterskirche zu Gelnhausen dürfte in die gleiche Zeit datiert werden. Die Peterskirche zu Gelnhausen sollte ursprünglich als eine große dreischiffige Basilika im spätromanischen Baustil errichtet werden. Das Langhaus und die Seitenschiffe sollten wesentlich länger werden, als sie sich heute darstellen. Das Querschiff dürfte seine in der Bauplanung vorgesehene Dimension erhalten haben. Der Altarraum war in der Planung wohl als halbrunder oder quadratischer Anbau vorgesehen, der sich östlich an das Querhaus anschmiegen sollte. Ob er je ausgeführt wurde, ist nicht bekannt. Zu beiden Seiten des geplanten Altarraumes wurde je ein runder Turm aufgeführt. Die geplanten Dimensionen des Langhauses und der Seitenschiffe lassen sich am besten an der Nordseite außerhalb der Kirche ermessen, wo an der Westseite des Querhauses Ansätze für die geplanten Gurtbögen sichtbar sind. Entsprechend finden sich im Inneren der Kirche westlich des beherrschenden Triumphbogens freigelegte Kapitelle. Planung und Bauausführung differieren offensichtlich.

Politische Einflüsse. Im Jahre 1108 hatte Graf Ditmar von Gelnhausen im etwa 15 km westtich von Gelnhausen gelegenen Ort Langenselbold ein Kloster gestiftet: das Kloster Selbold. Es gehörte zum Archidiakonat (bischöfliche Verwaltungsbehörde) des Propstes von St. Maria ad gradus zu Mainz und unterstand dem Schutz des Mainzer Erzbischofs und Reichskanzlers des Hl. Römischen Reiches. Seit Gründung des Klosters verfügte dieses über das Patronatsrecht an den Kirchen in Gelnhausen - ein Hinweis darauf, daß in den Ansiedlungen und dem Königshof, die in den Bereich der neuen Stadt Gelnhausen einbezogen wurden, schon Kirchen und Kapellen bestanden. Das Patronatsrecht bedeutete, daß nur Geistliche des Klosters Selbold Kirchen errichten, Gottesdienste und Predigten halten und Kollekten vornehmen durften. In einer Urkunde vom 8. März 1229 wird von einem Streit zwischen dem Propst des Klosters Selbold und dem Stadtschultheisen von Gelnhausen berichtet; eine erzbischöfliche Delegation aus Mainz, die als Schiedsgericht angereist war, bestätigte die Rechte des Propstes des Klosters Selbold in kirchlichen und geistlichen Angelegenheiten in Gelnhausen sowie die Abgabenfreiheit des Klosters und untersagte das offensichtliche Bemühen des Stadtschultheisen, andere Geistliche, die nicht dem Kloster Selbold entstammten, in Gelnhausen anzustellen. - Am 28. Juni 1238 nahm Papst Gregor IX. das Kloster Selbold in seinen Schutz, erteilte ihm einige Privilegien und bestätigte die Besitzungen des Klosters, darunter die Kirche ,St. Petri zu Geylenhusen'; es erging insbesondere auch das Verbot, daß es niemand in Gelnhausen wagen dürfe, "ohne Zustimmung des Diözesanbischofs und des Klosters Selbold eine capella (Nebenkirche) oder oratorium (Betsaal) von neuem zu errichten". Diese urkundlich verbrieften Rechte und die bezeugten Streitigkeiten mit dem Kloster Selbold dürften zur notdürftigen Fertigstellung des Baus der Stadtpfarrkirche St. Peter durch die Bürger von Gelnhausen bis Ende des 13. Jahrhunderts geführt haben, wobei Größe und beabsichtigte architektonische Ausgestaltung weit hinter der ursprünglichen Planung zurückblieben.

Dagegen wurde zwischen 1170 und 1240 die östlich der Peterskirche gelegene Marienkirche, das heutige Wahrzeichen Gelnhausens, als Kirche des Klosters Selbold mit aller Pracht der spätromanischen bzw. frühgotischen Baukunst aufgeführt. Die Peterskirche zu Gelnhausen dürfte nach ihrer notdürftigen Fertigstellung überwiegend als Trau-, Tauf- und Beerdigungskirche gedient haben, in der auch täglich die Messe gefeiert wurde. Stadtpfarrkirche war sie geschichtlich hingegen nie.

Nach der Reformation, die auch die Auflösung des Klosters Selbold zur Folge hatte, ging die St. Peterskirche in das Eigentum der Stadt Gelnhausen über. Sie war nunmehr ohne erkennbare Funktion und für den Rat der Stadt Gelnhausen eine Belastung. Notwendige Reparaturen und Erhaltungsaufwendungen wurden, wenn überhaupt, nur dürftig durchgeführt; die Kirche zerfiel. 1830 wurde sie für 925 Gulden auf Abbruch an einen Kaufmann versteigert; wenige Jahre zuvor war bereits einer der beiden Türme abgebrochen worden, nunmehr folgte auch der zweite Turm. Im restlichen Gebäude wurde eine Zigarrenfabrik errichtet.

Wiederaufbau
Im Jahre 1920 gelangte die St. Peterskirche durch Kauf in das Eigentum der katholischen Kirchengemeinde zu Gelnhausen. In den nachfolgenden 18 Jahren wurde sie unter Leitung von Architekt Martin Weber notdürftig restauriert. In diese Epoche fällt euch der stilverfälschende Anbau des Chorraumes und der beiden viereckigen Glockentürme. Eine totale Sanierung, von den Fundamenten bis zum Dach, erfuhr das Bauwerk in den Jahren 1982/83. Das Sanierungskonzept konnte dabei nur bedingt dem klassischen Weg folgen, ,der in jeder Phase historisch - möglichst mit originalen Befunden - belegbar ist'. Es galt vielmehr, eine alle Bauteile und Epochen einbindende Gestaltungskonzeption innen und außen zu entwickeln. Eine der wichtigsten Entscheidungen in diesem Zusammenhang war der Einbau eines Lettners, der den apsidialen Chorraum der Kirche wieder wirkungsvoll zur Geltung kommen läßt. Der Altarraum wurde in die Vierung von Quer- und Langhaus verlegt und entsprechend dem liturgischen Konzept des 2. Vatikanischen Konzils neu gestaltet. Von außen sollte sich das Bauwerk in die städtebauliche Situation der Stadt Gelnhausen einpassen. Dies wurde durch die Entscheidung versucht, das gesamte Bauwerk vollflächig zu verputzen, ausgenommen die Werksteinflächen des nördlichen und südlichen Querhauses. Optisch vereinen sich alle aus verschiedenen Jahrhunderten stammenden Bauteile zu einem Bauwerk. Die lisenenartigen Vorsprünge an den Fassadenteilen, aber auch an den übrigen Fenstergewänden und allen anderen steinmetzmäßig bearbeiteten Gebäudeecken sind ebenfalls ohne Putz belassen. Dies gilt auch für die Portale und die historische Sonnenuhr an der Südfassade des Querhauses. Die Farbgebung der Peterskirche ist den Farbtönungen anderer Großbauten der Stadt nachempfunden.

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