850 Jahre Stadtrechte | Gelnhausen

Jubiläum

850 Jahre Stadtrechte

Der berühmte Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, beurkundete am 25. Juli 1170 der neuen Reichsstadt Gelnhausen die Stadtrechte. Für seine Neugründung fasste er drei wesentlich ältere, dörfliche Siedlungen zu einer neuen Stadt zusammen. Darunter die bereits 1123 in einer Urkunde des Klosters Banz erwähnte Siedlung „Geilenhusen“. Leider ist die Stadtgründungsurkunde nicht mehr im Original erhalten, doch aus mittelalterlichen Abschriften sind einige der Bürgerrechte überliefert: Alle Bürger der Reichsstadt Gelnhausen durften unter anderem ihren Besitz frei vererben und im ganzen Reich zollfrei sowie unter besonderem Schutz des Kaisers reisen. Außerdem durften nur der Kaiser oder seine Vertreter in Gelnhausen Recht sprechen. Seine neue Reichstadt ließ Barbarossa mit modernsten Wasserleitungen aus Holz und Ton planmäßig ausbauen, breite Straßen und große Handelsplätze anlegen. Die Kirchen wurden ausgebaut, eine Stadtbefestigung und öffentliche Bauten errichtet, und im Jahr 1330 erhielt die Stadt das Recht, eine Kaufhalle zu bauen, die seit inzwischen über 500 Jahren bis heute als Rathaus dient.
Barbarossas Rechnung ging auf, denn seine neue Reichsstadt Gelnhausen entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte, auch dank der günstigen Verkehrslage an der via regia zwischen den beiden wichtigen Messestädten Frankfurt und Leipzig, der Kinzigfurt und der ab hier schiffbaren Kinzig, zu einer blühenden Handelsstadt.

Die Neugründung direkt dem König unterstellter Städte diente der Stärkung der kaiserlichen Macht. So sicherte Gelnhausen die süd-östliche Flanke des Reichslandes „Wetterau“, in dem auch die Reichsstädte Frankfurt, Wetzlar und Friedberg lagen. In diesem System gegenseitiger Abhängigkeit mussten die „Reisekönige“ (eine Hauptstadt im heutigen Sinne gab es nicht, der Aufenthaltsort des Kaisers war das Zentrum des Reiches) ihre Ansprüche nicht zuletzt durch regelmäßige Anwesenheit festigen. Unterhalb seiner Stadt ließ Barbarossa eine Kaiserpfalz errichten und unterstrich damit die strategische Bedeutung Gelnhausens durch die kaiserliche Präsenz. Die kleine, auf einem Pfahlrost aus rund 12.000 Stämmen errichtete Anlage, gilt heute als die besterhaltene staufische Pfalz. Ihre Steinmetzarbeiten gehören zu den künstlerisch wertvollsten, die die profane Architektur des 12. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Bereits 1180 fand dort ein folgenschwerer Reichstag statt. Im Januar desselben Jahres hatten die Reichsfürsten Heinrich dem Löwen aus dem Geschlecht der Welfen dessen Reichslehen Sachsen aberkannt. Auf dem Reichstag zu Gelnhausen wurde dieses Reichslehen nun in zwei neue Herzogtümer aufgeteilt und neu vergeben: Der östliche Teil wurde Bernhard von Anhalt zugesprochen, während Westfalen an den Erzbischof von Köln fiel. In der „Gelnhäuser Urkunde“ vom 13. April 1180 wurde diese weitreichende Entscheidung niedergeschrieben. Diese Aufteilung des Stammesherzogtums Sachsen wird heute vielfach als Beginn der zunehmenden Territorialisierung des Reiches gewertet. Bis heute sind deren Auswirkungen in der föderalen Staatstruktur Deutschlands zu erkennen. Und alle 5 Jahre wird an dieses Ereignis mit einem Theaterstück erinnert.

Alle geplanten Feierlichkeiten zu diesem denkwürdigen Stadtgeburtstag mussten leider aufgrund der weltweiten Pandemie verschoben werden. Wer dennoch mit der Barbarossastadt auf ihren Geburtstag anstoßen möchte, kann sich in der Tourist-Info eine Flasche „Gelnhäuser Jubiläumstropfen“, den eigentlich für die diesjährigen Festveranstaltungen abgefüllten Festwein, kaufen. Anlässlich des Geburtstages kostet die Flasche an diesem Wochenende nur 850 Cent statt wie sonst 9,50 Euro. So können alle, die Lust dazu haben, dezentral und Corona-Hygieneregelkonform mit Wasser, Wein, Bier oder Saft auf den Geburtstag unseres schönen Städtchens anstoßen.