Abschied von Roswitha Krack

„Als Frau musst Du immer rudern“. Roswitha Krack weiß, wovon sie spricht. Einen Großteil ihres beruflichen Werdegangs bei der Stadt Gelnhausen war sie im Ordnungsamt tätig, zuletzt als Abteilungsleiterin. „Dabei wollte ich da ursprünglich gar nicht hin“, gibt sie mit einem verschmitzten Lächeln zu. Nach 48 Jahren Arbeitsleben hat sie sich zum 30. September 2018 in den Ruhestand verabschiedet. „Ich hatte ein sehr abwechslungsreiches Berufsleben, habe allerhand erlebt und mich gerne um die Anliegen der Bürger gekümmert“, bilanziert die 63-Jährige. Zwischendurch hat sie noch drei Söhne großgezogen -  und in Las Vegas geheiratet. 

Zentrale Aufgabe des Ordnungsamtes ist das Einhalten der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, um die allgemeine Gefahrenabwehr aufrecht zu erhalten. Regeln durchzusetzen, ist nicht immer ganz leicht. Diskussionen mit Bürgern, Gewerbetreibenden und Gastronomen gehören zum Tagesgeschäft, das Telefon steht selten still. Zumal es nicht nur um Ruhestörung, Falschparker und illegale Müllentsorgung geht. Zur Abteilung „Öffentliche Ordnung“ gehören Standesamt und Feuerwehr, Einwohnermeldeamt, Gewerbeamt, Straßenverkehrsbehörde und Wahlamt. „Die Herausforderungen dieses abwechslungsreichen Aufgabengebietes waren für mich mehr Motivation als Last. Ich habe immer gerne für die Leute gearbeitet“, sagt sie. Magistratsoberrätin Roswitha Krack ist eine Netzwerkerin, sie pflegt seit Jahrzehnten den Kontakt zu anderen Behörden, begründet bereits Ende der 1970er Jahre ein regelmäßiges Treffen der Ordnungsamtsleiter des Main-Kinzig-Kreises mit. Auch Feuerwehren und Katastrophenschutz liegen ihr am Herzen. Die letzten zwei Jahre ist sie außerdem Anti-Korruptionsbeauftragte der Stadt. Gab es ein besonders herausragendes Ereignis in diesen 48 Jahren? Roswitha Krack überlegt. „Der Besuch der Bundeskanzlerin in Gelnhausen war  sicherheitstechnisch schon eine große Herausforderung. Andere Kommunen, die Angela Merkel danach besucht hat, haben sich bei uns Tipps geholt und nachgefragt, wie wir das gestemmt haben.“ Beim Rückblick auf die „lange Ehe“ mit der Stadt Gelnhausen – immerhin fast bis zur „Goldenen Hochzeit“ – kommt ein wenig Wehmut auf – auch wegen des guten Betriebsklimas und ihren netten Kolleginnen und Kollegen. Roswitha Krack schlägt ein Fotoalbum auf, das ihr Kolleginnen zum Abschied geschenkt haben. Es zeigt Faschingsbilder über die Jahrzehnte hinweg, Roswitha Krack immer in einer anderen, oft aufwendigen Verkleidung. Fröhliche, herzliche Bilder.  Ein „Farbtupfer“ ist sie schon in der Ausbildung. Als Roswitha Heinz beginnt sie am 1. September 1970 ihre Lehre bei der Verwaltung und bringt als 15-Jährige auch modisch frischen Wind in die Verwaltung. Ihre erste Station ist das Standesamt. Und weil sie sehr flott Schreibmaschine schreiben kann, wird sie sogleich voll eingesetzt. Nach 2,5 Jahren Lehrzeit besucht sie das Verwaltungsseminar in Frankfurt. Als sie nach dem erfolgreichen Abschluss zurückkehrt, ist ihr Platz im Standesamt weg. „Damals wurden wegen der Gebietsreform viele Kräfte aus den neuen Stadtteilen übernommen.“ Sie muss ins Steuer- und Ordnungsamt. „Eigentlich wollte ich da zuerst gar nicht hin“, erinnert sie sich. „Abteilungsleiter Karl Breidenbach hat mir sehr viel mit auf den Weg gegeben. Ich konnte ihn immer fragen und habe bei ihm jede Menge Wissen abgezapft. Er hat mir viel zugetraut.“ Obwohl sie bereits 1975 ihre zweite Verwaltungsprüfung ablegt, wird sie zunächst nur ins Angestelltenverhältnis übernommen – erst 1982 wird sie Beamtin auf Lebenszeit.

1977 heiratet die Altenhaßlauerin Manfred Krack, mit dem sie drei Söhne – Christopher, Sven-Oliver und Jörn – hat. Weil Eltern und Schwiegereltern die junge Familie unterstützen, kann Roswitha Krack immer wieder ins Berufsleben einsteigen. Nur nach der Geburt des jüngsten Sohnes geht sie drei Jahre in Elternzeit. Als sie 1991 in die Verwaltung zurückkommt, liegt ihr Tätigkeitsbereich im Verkehrsamt – der heutigen Tourist-Information. „Das fand ich sehr interessant und ich habe gleich eine Stadtführerausbildung gemacht“, schildert sie. Nächste Station ist die Bücherei. Doch Roswitha Krack vermisst die öffentliche Ordnung und den Verwaltungsakt als solchen. Sie möchte zurück ins Steuer- und Ordnungsamt. Bürgermeister Jürgen Michaelis kommt ihrem Wunsch nach. Klaus-Rüdiger Schmidt ist ihr Vorgesetzter. Als er 2006 in den Ruhestand geht, wird Roswitha Krack seine Nachfolgerin.

Nach der Trennung von ihrem Ehegatten spielt ein anderer Mann die Hauptrolle in ihrem Leben: Über die Arbeit lernt sie den damaligen Betriebshofleiter Edgar Günther kennen und lieben. 13 Jahre sind die beiden „verlobt“,  2007 heiraten sie in Las Vegas. Ganz unkonventionell  in einer Wedding-Chapell. Für ihren Edgar hat sie ab 1. Oktober nun mehr Zeit. Mehr Zeit für Haus und Garten in Altenhaßlau, fürs Fahrradfahren, Schwimmen, Nordic Walking und den Pilates-Kurs und fürs Reisen. Und ein wenig ehrenamtlich engagieren möchte sich Roswitha Krack auch. Aber: „Ich will mich nicht zu sehr festlegen, sonst habe ich wieder Terminstress.“ Regeln haben eine große Rolle in ihrem Berufsleben gespielt. Jetzt möchte sie die Flexibilität genießen.  

Bildunterschrift: Feierstunde zum offiziellen Abschied von der Stadt: Roswitha Krack mit Personalchefin Marianne Baum und Bürgermeister Daniel Christian Glöckner (vorne, von links), Personalratsvorsitzende Monika Lehnert, Heike Schmidt, Abteilungsleiterin Kinderbetreuung, Familie und Soziales, Stefan Bechtold, Leiter Zentrale Dienste und der neue Ordnungsamtsleiter Bastian Metzler (dahinter, von links).


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