krippenausstellung

Andere Länder, andere Krippen

Jesu Geburt in einem peruanischen Taxi.

Ein Stall, Ochs und Esel, die Heilige Familie, ein paar Hirten und Schafe und die Heiligen Drei Könige - so sieht die modellhafte Szenerie der Geburt Jesu in vielen „guten Stuben“ von Christen in Deutschland aus. Doch Christen leben an vielen Orten, in vielen Kulturen auf der ganzen Welt und so entstanden im Laufe der Jahrhunderte unendlich viele Blickwinkel auf das Geschehen im Stall von Bethlehem vor über 2000 Jahren. Einen Einblick in diese Vielfalt gewährt die Stadt Gelnhausen in der Adventszeit 2022: Die Abteilung Kultur & Tourismus zeigt die beeindruckende, internationale Krippensammlung von Willy Schneider, Pfarrer im Ruhestand, aus Ottenhöfen im Schwarzwald, im Museum am Obermarkt. Die Ausstellung war bereits für 2020 geplant, musste aber pandemiebedingt verschoben werden. Vom 25. November 2022 bis 8. Januar 2023 ist sie nun dienstags bis sonntags im Museum zu bestaunen.

  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag; 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr
  • Eintrittspreise 7 Euro pro Person (ermäßigt sechs Euro); Kinder bis 16 Jahre zahlen keinen Eintritt
  • Der Eintritt berechtigt zum Besuch des gesamten Museums

Die Krippenausstellung im Museum Gelnhausen will einen Einblick in die vielfältigen Werke geben, die von Künstlern, Handwerkern, von Menschen auf der ganzen Welt gebastelt, gefeilt, geformt, gesägt, gestickt, gehäkelt, gestrickt, genäht, gebogen oder auf eine sonst noch erdenkliche Art aus einer ebenso großen Vielfalt an Materialien hergestellt wurden. Von gewichtig bis filigran, von kurios bis elegant, von rustikal bis edel sind die gezeigten Krippen. Sie spiegeln die Lebensfreude, den kreativen Umgang mit einem tief empfundenen Glauben, aber auch die Tragik hungriger Menschen in Kriegslagern wider. So unterschiedlich wie die Schöpfer sind auch ihre Krippen: Neben traditionellen Krippen aus Ebenholz oder Speckstein, verblüffen ungewöhnliche Darstellungen. So findet die heilige Familie auf dem Dachgepäckträger eines peruanischen Käfer-Taxis aus Ton, in einem Kokosblatt, einer Streichholzschachtel oder einer Nuss Platz. Neben fröhlich-bunten Retabeln (Altaraufsätzen) aus Kolumbien stehen edle Tonfiguren aus dem argentinischen Hochland, schlanke Holzfiguren aus Jakaranda oder Krippenfiguren aus Müll. Große Ebenholzwurzeln geben personalreichen Prophetenkrippen Form, kenianische Kunsthandwerker verlegen das Heilsgeschehen in mehrere Meter lange Einbäume aus Ebenholz, sogenannte „Bootkrippen“. Dazu gesellen sich Maisstrohfiguren, die in Kalebassen einen ungewöhnlichen Rahmen finden, Figuren aus Papier, Stoff oder Filz. Besonders kunstfertig zeigen sich die Holzschnitzer der Makonde. Sie flohen vor dem Bürgerkrieg aus ihrer Heimat Mosambik ins benachbarte Tansania und verwoben die Naturreligion ihres Volkes mit christlichen Motiven zu eindrucksvollen Kunstwerken.

Die Entstehung des Brauches, eine Krippe aufzubauen, wird häufig mit einer Legende des Heiligen Franz von Assisi in Verbindung gebracht. Der Heilige, der der Legende nach mit den Tieren sprechen konnte, soll im Jahr 1223 im Wald von Greccio (Italien) eine mit Heu gefüllte Krippe aufgebaut haben. Daneben stellte er Ochs und Esel und predigte so vor der ersten „Lebenden Krippe“ das Weihnachtsevangelium. Von vereinzelten Weihnachtskrippen in Deutschland wird ab dem Ende des 13. Jahrhunderts berichtet, doch scheinen sie sich erst um 1600 in den Kirchen in Süddeutschland wirklich etabliert zu haben. Um 1800 hielten mit der Erstarkung des Bürgertums die Krippen Einzug in die bürgerlichen Wohnzimmer, die Figuren wurden kleiner, handlicher und wurden häufig von Dorfschnitzern hergestellt - und spiegelten in dieser Darstellung das eigene kulturelle Umfeld wider. Die Krippen standen unter den inzwischen üblichen, festlich geschmückten Christbäumen in der „guten Stube“ und es wurde guter Brauch in den Familien, die Krippen alljährlich gemeinsam aufzustellen und zu verschönern.

Die außergewöhnliche Krippensammlung gehört dem evangelischen Pfarrer i.R. Willy Schneider, der seit über 50 Jahren in Afrika tätig ist, als Missionar und Helfer in Krisengebieten und seit vielen Jahren in seinem Waisenhaus in Kenia, in der Nähe des Victoriasees. Auch Simone Grünewald, die Fachbereichsleiterin der Abteilung Kultur und Tourismus der Stadt Gelnhausen, engagiert sich für dieses Waisenhaus, Malaika Children’s Home, und sie lernte so Willy Schneider kennen. Sie holte seine Krippenausstellung 2010 schon einmal nach Gelnhausen.

Die Einrichtung in Kenia sorgt für etwa 200 Waisenkinder, gibt ihnen Zuhause, Nahrung, Ausbildung und menschliche Wärme. Für sein Engagement erhielt Schneider 2018 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Willy Schneider und seine Frau Asuna, die er in Kenia kennenlernte, kaufen örtlichen Künstlern ihre Kunstwerke, darunter auch Krippen, ab und helfen ihnen so, ihre Existenz zu sichern. So entstand der Grundstock der Sammlung. Zu den afrikanischen Krippen kamen lateinamerikanische und Krippen aus dem Rest der Welt hinzu. Schneiders Krippen-Sammlung wuchs so auf Reisen, durch Begegnungen mit anderen Kulturen und durch Geschenke auf inzwischen etwa 200 Stück an.

Ein Großteil dieser einzigartigen Sammlung ist vom 25. November 2022 bis zum 8. Januar 2023 im städtischen Museum am Obermarkt (Stadtschreiberei 3) in Gelnhausen zu sehen.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Museums, dienstags bis sonntags, 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr, geöffnet.

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