Kommerzielle Kunst, Jazz und mehr

Seine Kleidung: dunkel, schwarz. Mit Hut und Schal - auch schwarz. Ausdruck einer inneren Haltung? „Nein“, sagt er und lächelt, „einfach modisch.“ Spontane Interpretationen des Betrachters treffen nicht immer die ureigene Intention des Künstlers. Und das ist gut so, findet der Mann in Schwarz, der auch farbig kann. Großflächig farbig. Vom 23. März bis 14. April zeigt Joachim Rother aus Hanau kommerzielle Kunst der 1920er und 1930er Jahre unter dem Titel „so gar nicht von gestern“ und neue Werke seiner bevorzugten Technik, des abstrakten Expressionismus, in der Ehemaligen Synagoge in Gelnhausen. Eine spannende Begegnung mit außergewöhnlichen Werken und einem interessanten Künstler. 

Kommerzielle Kunst 1920 bis 1930. Da mag sich im Geiste von  Kunstkennern und Zeitgeschichtsexperten sogleich vieles abspielen, aber was tut sich beim Laien? Joachim Rother erklärt mit verständlichen Worten und gar nicht abstrakt, was sich dahinter verbirgt. Mit den Werken dieser Reihe möchte er exemplarisch aufzeigen, wie die Gebrauchsgrafiker, Mustermacher und Gestalter seinerzeit die dramatischen Veränderungen der Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg verarbeiteten. Sie gingen neue Wege und setzten innovative gestalterische Maßstäbe bis hin zu avantgardistischen Kreationen. Dabei standen sie in Verbindung zu den bildenden Künstlern ihrer Zeit, zu Kunstakademien, der Universität Bauhaus und dem stilbildenden Werkbund.

Warum bearbeitet Rother ausgerechnet dieses Thema? Weil es ihn schon lange bewegt. Vor nahezu zwei Jahrzehnten erwarb er das Buch „1930s Commercial Art“, das er immer wieder zur Hand nahm. „Das war eine wirre, spannende Zeit damals, in der irrsinnig viel los war. Der endgültige Abschied vom Kaiserreich. Und die kommerzielle Kunst bekam Wind unter die Flügel, das hat mich fasziniert“, sagt er. Mit Kunst hat Joachim Rother sich zeitlebens beschäftigt, hat eigene Werke kreiert. Aber erst seit zwölf Jahren hat der heute 73-Jährige richtig viel Zeit für seine Kunst, ist „nur“ noch Maler und Zeichner im eigenen Atelier in Hanau-Kesselstadt. Vorher war er Schauwerbegestalter, Plakatmaler, Chefdekorateur beim Bund Deutscher Werbeberater und Werbeleiter und Werbegrafiker, bevor er in ein anderes Fach wechselte. 27 Jahre lang war Rother Erzieher und Leiter einer sozialpädagogischen Einrichtung. Eine Tätigkeit, hinter der er mit Leidenschaft stand. Er initiierte dabei viele Kunstaktionen für Kinder im bildnerischen Gestalten. „Unter dem Motto ‚Hauen ist doof‘ haben wir uns zum Beispiel gemeinsam überlegt, wie Wut eigentlich aussieht, wenn man sie künstlerisch ausdrücken will.“ Seit seinem beruflichen Ruhestand und dem Übergang ins reine Künstlerleben – „Ich hatte das lange und präzise geplant“ – gab Rother in vielen Einzelausstellungen und bei Schauen mit anderen Künstlern Einblicke in sein Wirken. „Hinter jedem meiner Werke steht eine Entwicklungsgeschichte. Ein Bild sollte ein Ereignis sein“, meint der Künstler. Farben, Flächen, Strukturen und Farbräume konfrontieren den Betrachter auch mit Gegensätzen, vermitteln Wärme und Kälte, Harmonie und Dissonanz. Ob es jemanden berühre oder nicht, das liege am Betrachter und sei stets subjektiv, ist Rother überzeugt. Was er mit Farben und Formen verbinde, das lasse sich nicht vorhersehen. Und weil seine Werke Ereignisse sind, malt er eher großformatig. „Ich bin ein Maler für Foyers, Treppenhäuser und große Räume“, gibt er lächelnd zu. Wenn er zeichnet, dann stehen oft menschliche Körper in seinem Fokus. „Wobei mich die Linie mehr interessiert als der Strich“, bemerkt er.

Mit dem Projekt „so gar nicht von gestern“ verfolgt Joachim Rother kein kunstwissenschaftliches Anliegen. „Es geht mehr um eine Mischung aus Neugier, Begeisterung und Experiment“, sagt er. Für die gemalten Werke hat er eigens die in den 1920er und 1930er Jahren verwendeten Farben angemischt.
Mit einer Jazz-Matinee im Rahmen der Ausstellung schlägt der Künstler – selbst ein leidenschaftlicher Jazz-Fan – die Brücke zu einem weiteren kulturellen Genre, das in den 1920er Jahren begann, sich in Deutschland zu etablieren. Das Programm des Konzertes unter dem Titel „Von Ellington bis heute“, das von Chris Rückert, Uli Partheil und Peter Back bestritten wird – die übrigens in dieser Zusammensetzung erstmals öffentlich auftreten -  bietet eine spannende Mischung aus Ellington-Klassikern der 1930er Jahre, aktuelle Kompositionen der Musiker und völlig freie Passagen.

Die Ausstellung ist vom 23. März bis 14. April (Öffnungszeiten: 25., 31. März, 1.,2.,7., 8., 14. April, jeweils von 14 bis 18 Uhr) in der Ehemaligen Synagoge zu sehen. Die Vernissage findet am Freitag, 23. März, um 18 Uhr statt. Joachim Rother wird sowohl zur Eröffnung als auch zu den anderen Öffnungszeiten vor Ort sein und gerne Rede und Antwort zu seinen Werken stehen. Das Jazz-Konzert ist auf Sonntag, 8. April, um 11 Uhr, in der Ehemaligen Synagoge terminiert. Der Eintritt zur Ausstellung und zum Jazz-Konzert ist frei.


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