Grünes Gelnhausen - Nachmachen erwünscht

Ihr Blick geht von links nach rechts, wieder nach links, unaufhörlich scannen ihre Augen das Pflaster. Eine Mauerritze erregt ihre Aufmerksamkeit. „Ach, da ist schon wieder was nachgewachsen, da muss ich morgen früh gleich hin.“ Martina Pauls nimmt ihre neue Aufgabe sehr ernst. Ihre Mission: ein „Grünes Gelnhausen“. Im Zuge eines von Bürgermeister Daniel Christian Glöckner angestoßenen Pilotprojektes wird Martina Pauls ergänzend zur Arbeit des Betriebshofes und der rührigen Ehrenamtsgruppe „Flower Power“ das grüne Stadtbild aufpolieren. Dazu gehört nicht nur die mechanische Entfernung von Unkraut, sondern auch die Sensibilisierung der Bevölkerung für verkrautete und vermooste Flächen oder verwelkte Pflanzen auf ihren Grundstücken, die an den öffentlichen Raum angrenzen. „Wir möchten, dass die Arbeit von Martina Pauls Anwohner und Grundstücksbesitzer motiviert, an der Verbesserung des optischen Eindrucks unserer Innenstadt aktiv mitzuwirken“, wünscht sich Bürgermeister Glöckner. 

Mit Martina Pauls hat die Stadt eine Mitarbeiterin für dieses Projekt gewonnen, die Anfang Mai sofort hoch motiviert zu Werke gegangen ist. Durch eine personelle Umstrukturierung sind Kapazitäten für die Arbeit der „Grünfrau“ frei geworden. Die Gelnhäuserin steht schon seit 2009 in Diensten der Stadt und ist vielen von ihrer Tätigkeit im Barbarossafreibad bekannt. Zudem sorgt sie stundenweise als Reinigungskraft im Rathaus für Ordnung und Sauberkeit. Im Rathaus wird sie weiter tätig sein, ansonsten ihren Fokus aber fern der Schwimmbecken aufs „Grüne Gelnhausen“ richten. Wenn Martina Pauls über ihre vielfältigen Aufgaben in Diensten der Stadt spricht, fällt auffallend oft das Wort „Spaß“.  Auch in Zusammenhang mit ihrem neuen Betätigungsfeld, auf dem sie Pionierarbeit leistet. „Es ist kaum zu glauben, wie schön die Altstadt morgens um 7 Uhr ist“, schwärmt sie. Mit der Handykamera hat sie fast schon märchenhafte Stimmungen eingefangen, in erster Linie aber hält sie Vorher-Nachher-Zustände fest. Zum Beispiel von dem öffentlichen Platz mit der Sitzbank direkt hinter dem inneren Holztor. Da beherrschten Moos und Unkraut die Szenerie. Nun ist das Pflaster wieder sauber, der Platz wirkt ansprechend. „Schmuddelige und verkrautete Ecken liefern ein schlechtes Image, deshalb möchten wir mit diesem Pilotprojekt eine Kugel für mehr bürgerschaftliches Engagement in punkto Grünpflege anstoßen“, so Glöckner.

Für Martina Pauls bei einer Wetterlage mit viel Regen, Sonne und Wärme, die das Pflanzenwachstum begünstigt, eine Sisyphusarbeit. Bis auf den Untermarkt und in die Schmidtgasse ist sie in den ersten Wochen nämlich noch nicht gekommen. In den vier Stunden, die ihr täglich für diese Projektarbeit zur Verfügung stehen, hat sie Obermarkt, Stephanusberg und Stadtgarteneingang, Petersiliengasse, Steinbrunnen und Schützengraben mit Harken, Fugenkratzern, Rechen und allerlei anderem Werkzeug bearbeitet. Das transportiert sie auf einem vom Bauhof zur Verfügung gestellten Arbeitswägelchen.

An körperliche Arbeit ist Martina Pauls gewöhnt. 30 Jahre arbeitete sie in ihrem Lehrbetrieb, bei „Früchte-Kreis“ im Ziegelhaus. Auch die Tätigkeiten im Freibad und als Reinigungskraft im Rathaus waren und sind schwere körperliche Arbeit. „Ein Fitness-Studio habe ich nie gebraucht. Ich mag es draußen zu sein und abends genieße ich das Gefühl, etwas geleistet zu haben“, sagt die (noch) 54-Jährige. Dazu gehört auch, müde ins Bett zu fallen. Weil Martina Pauls in Gelnhausen bekannt ist, haben viele sie auf ihre neue Tätigkeit angesprochen. „Ich erkläre dann den Kern des Projekts und was ich mache. Bis jetzt fanden es alle toll“, bilanziert sie. Dass ihre Tätigkeit bereits vereinzelt die gewollte Vorbildfunktion erfüllt, freut nicht nur den Rathauschef. „Manchmal greifen die Leute selbst zu Eimer und Fugenkratzer, wenn sie mich werkeln sehen“, berichtet Martina Pauls. Eigentlich ist sie eine Wasserratte, fährt im Urlaub gerne nach Griechenland. „Aber ich bin selbst erstaunt, wie schnell ich die neue Tätigkeit lieb gewonnen habe.  Und im Gelnhäuser Freibad zieht sie natürlich nach wie vor ihre Bahnen im Wasser.

Beim Projekt „Grünes Gelnhausen“ geht es nicht nur um Sauberkeit, wie Glöckner betont, sondern vielmehr um Struktur. Im weiteren Verlauf soll die biologische Vielfalt im Stadtgebiet gestärkt werden und Lebensräume für Insekten, Hummeln und Bienen erhalten und neu geschaffen werden. „Nicht jedes Kraut ist Un-Kraut, aber es sollte nicht unkontrolliert überall wild wachsen, sondern zum Beispiel an kleinen Flächen wie begrünten Randstreifen, bepflanzten Verkehrsinseln, Böschungen an Verkehrswegen und Mauern angesiedelt werden. Ökologisch wertvolle Lebensräume entsprechen auch nicht immer dem Schönheits- und Ordnungsempfinden der Bevölkerung, aber Wildwuchs auf öffentlichen Gehwegen, unterhalb von Schaufenstern und Sitzgelegenheiten und im Pflaster öffentlicher Plätze nützt niemandem und ist keine gute Referenz für die Stadt“, meint der Bürgermeister. Martina Pauls wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten Abhilfe schaffen – und findet sicher einige Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

 Fotos: Stadt Gelnhausen

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