Amtskette des Bürgermeisters | Gelnhausen
Ehemalige Synagoge
Die Amtskette der Gelnhäuser Bürgermeister*innen

Der erste Repräsentant der Stadt Gelnhausen ist die von der Bürgerschaft gewählte Bürgermeisterin/der Bürgermeister. Eine Amtskette dient als Insignie städtischer Selbstverwaltung und Selbstständigkeit. Sie wird zu besonderen offiziellen Anlässen auf entsprechender (Amts-)Kleidung getragen. Die Gelnhäuser Amtskette fertigte der Gelnhäuser Juwelier Ralf Conrad aus 925er Silber anlässlich der Stadtrechtsfeier 2020. Mit einem großen Fest im Juni 2020 sollte die Verleihung der Stadtrechte an Gelnhausen vor 850 Jahren gefeiert werden. Wegen des Ausbruchs der Corona-Pandemie musste die Feier auf das Jahr 2022 verschoben werden. Die Übergabe der Amtskette an den amtierenden Bürgermeister Daniel Christian Glöckner fand so im ganz kleinen Kreis im Juweliergeschäft von Ralf Conrad im Ziegelhaus im März 2021 statt.

Ralf Conrads Hommage an Gelnhausen

Eigentlich sollte die Stadtrechtsfeier zum 850-jährigen Bestehen der Barbarossastadt Gelnhausen im Jahr 2020 wieder das Ereignis im Kinzigtal werden. Einrahmen wollte dies Juwelier Ralf Conrad, der sein Juweliergeschäft im Ziegelhaus in Gelnhausen hat, mit einem besonderen Geschenk: Er hatte im Jahr 2019 den Entschluss gefasst, für seine Stadt anlässlich der 850-Jahrfeier eine Amtskette anzufertigen. Diese wollte er Bürgermeister Daniel Chr. Glöckner als offiziellem Stellvertreter der Barbarossastadt Gelnhausen überreichen. Leider kam die Corona-Pandemie dazwischen, die große Feier wurde auf das Jahr 2022 verschoben. Ralf Conrad überreichte die Amtskette nun im ganz kleinen Kreis an den Gelnhäuser Bürgermeister.

März 2021: Der amtierende Bürgermeister Daniel Christian Glöckner nimmt die Amtskette als Geschenk für die Barbarossastadt von Juwelier Ralf Conrad und seiner Frau Ursula an. In der Draufsicht steht Ralf Conrad rechts neben dem Bürgermeister, seine Frau links. Es sind noch teile des Juweliergeschäftes und der Kinzigbrücken-Umgebung zu sehen.
Ralf Conrad und seine Frau Ursula mit Bürgermeister Daniel Chr. Glöckner (Mitte). Foto: Weigelt

„Wenn in Hanau und Frankfurt am Main besondere Empfänge stattfinden, empfangen die Bürgermeister ihre Gäste im Ornat mit Amtskette und repräsentieren stolz damit ihre Stadt“, weiß Ralf Conrad. Nicht aber in Gelnhausen, trotz jahrhundertelanger Geschichte. Seit Jahren beschäftigt sich Conrad mit diesem Manko. Besser gesagt, schon seit 1947 als er nach Gelnhausen kam, und sich dann neben seiner Frau Ursula auch gleichzeitig in die Stadt verliebt hatte. Damals wurde er mit offenen Armen aufgenommen und bekam jede Unterstützung vom späteren Bürgermeister Jürgen Michaelis. „Jetzt in meinem hohen Alter, ist es Zeit, endlich auch mal Danke an die Stadt zu sagen, die mich über 70 Jahre prägte und der ich viel zu verdanken haben“, freut sich Gelnhausens Juwelier und überreicht der Barbarossastadt Gelnhausen eine Amtskette.

Diese sei eine Herausforderung der Handwerkskunst und zeichnet sich besonders aus: 19 silberne Reichsadler, Münzen mit den Abbildern von Philipp Reis, Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen und Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Drei Medaillen zeigen die Marienkirche, die Pfalz, und das Stadtwappen sowie die Stadtteile.  Alles wird durch silberne Rahmen zusammengefasst. In Gänze wiegt die Gelnhäuser Amtskette knapp 500 Gramm. Sie wurde aus 925er Silber gefertigt.
Nun ist sie fertig: eine Amtskette als Hommage an Gelnhausen und Dankbarkeit und als Herausforderung für Ralf Conrads Können. „Leider konnte ich die Amtskette Bürgermeister Glöckner bei der offiziellen Feier in der Marienkirche nicht überreichen“, ist Conrad traurig, „aber Corona ist über uns hereingebrochen und die Pandemie lässt größere Feiern nicht zu.“

Conrad und seine Frau Ursula haben es trotzdem gewagt und überreichten die Amtskette kürzlich dem Bürgermeister als ein Geschenk an die Barbarossastadt Gelnhausen. Daniel Chr. Glöckner: „Ich bin überwältigt. Im Namen aller städtischer Körperschaften sage ich vielen Dank und verneige mich vor dieser kunsthandwerklichen Meisterleistung Ralf Conrads, die nun zu unserer Stadtgeschichte gehört.“ Bürgermeister Glöckner weiter: „Ich freue mich, dass Ralf Conrad auch die Stadtteile und die Kinzig in die Amtskette integriert hat. Alles in allem ein gelungenes und einzigartiges Jubiläumsgeschenk.“

„Jetzt muss der Bürgermeister noch festlegen zu welchen besonderen Anlässen die Amtskette getragen werden darf“, stellt der Juwelier fest und freut sich darüber, dass sein Meisterwerk in den nächsten Jahren vom Gelnhäuser Stadtoberhaupt getragen wird.
Ralf Conrad sieht sich als Gelnhäuser, obwohl er 1943 in Danzig geboren wurde und wie viele Menschen damals mit seiner Familie 1945 vor der sowjetischen Armee fliehen musste. Zu Fuß im großen Treck, dann weiter mit Zügen, kam die Familie in Berlin an. Die Großmutter, die in Berlin wohnte, nimmt die Flüchtlinge illegal bei sich zu Hause auf. Doch schon 1947 begaben sie sich erneut auf die Flucht gen Westen. Ralf Conrads Vater wurde gesucht, da er als ehemaliger Wehrmachts-Angehöriger auf einer Liste stand und eine Deportation nach Sibirien befürchten musste.

Mit ihrer ganzen Habe wurden sie aus der Britischen Besatzungszone ausgeflogen und fanden schließlich in Meerholz, in der Neugasse 9, heute die Hanauer Landstraße, ihre neue Heimat und eine dauerhafte Bleibe. Nach seinem Schulabgang studierte Ralf Conrad in 10 Semestern an der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau den Beruf des Goldschmieds und Juwelenfassers. Berufserfahrung sammelte er bei verschiedenen Juwelieren in Frankfurt, unter anderem beim Juwelier Walter-Schnelle. In der Frankfurter Töngesgasse bezog Ralf Conrad schließlich seine eigene Goldschmiedewerkstatt und arbeitete für diverse Juweliergeschäfte. Auf dem Untermarkt im Herzen der Gelnhäuser Altstadt eröffnete der Wahl-Gelnhäuser Conrad 1972 sein erstes Juweliergeschäft. Vorher war in diesem Gebäude eine Mode-Boutique von Käthe Kirstenpfad, heute werden dort Gäste in der Gaststätte „Vinum“ bewirtet. Im selben Jahr heiratete Ralf Conrad seine Frau Ursula Breitenbach.

Das Ziegelhaus in der Gelnhäuser „Unterstadt“ war zu dieser Zeit die Einkaufsmeile schlechthin – „die Gelnhäuser Zeil“, wie Ralf Conrad es umschreibt. So verlegt Conrad sein Ladengeschäft für die nächsten Jahre vom Untermarkt ins Ziegelhaus Nummer 22. Seit der Schließung des Fahrradgeschäfts Hammer und dessen gelungenem Umbau 1989, befindet sich Ralf Conrads zweites Juweliergeschäft direkt an der Kinzigbrücke. Hinzu kam in den 1990er Jahren ein weiteres Geschäft im Brückenhaus auf der Kinzigbrücke, wo ausschließlich Swatch-Uhren angeboten wurden. „Wie in vielen Städten hat sich das Kaufverhalten der Menschen geändert, die beiden Kaufhäuser Joh und viele Traditionsgeschäfte haben leider geschlossen, das ist kein Gelnhausen-spezifisches Problem, sondern bundesweit zu sehen“, bedauert Ralf Conrad. Umso wichtiger sei es, dass die Erinnerung an damals aufrechterhalten werde. „Ich war für den Standort Gelnhausen und die Menschen hier immer dankbar – noch heute habe ich treue Kunden, die immer wieder zu mir in den Laden kommen. Diesen Menschen und unserer Stadt möchte ich mit der Amtskette an den Bürgermeister unser Barbarossastadt Gelnhausen ein Dankeschön sagen – einen Dank für die schönen Jahre in unserer Stadt“, fühlt sich Ralf Conrad geehrt und wünscht „seinem" Gelnhausen für die Zukunft alles Gute.

Text: Ein Gastbeitrag von der Gelnhäuser Gäste- und Erlebnisführerin Helga Schneevogl.