Berühmte Gelnhäuser | Gelnhausen
Konrad von Gelnhausen

*1320-1325Ungefähr in den Jahren 1320 bis 1325 wurde Konrad geboren, der später nach seiner Geburtsstadt Konrad von Gelnhausen genannt wurde. Er studierte in Paris an der Sorbonne die freien Künste. Als sieben freie Künste bezeichnete man damals die Fächer Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Um 1375 promovierte er in Bologna zum Doktor der Rechte und 1381 in Paris zum Doktor der Theologie. Gleichzeitig trat er als Probst am Wormser Dom auf. Im Jahr 1387 wurde der hochgelehrte Gelnhäuser der erste Kanzler der neu gegründeten Universität Heidelberg. Er war eine treibende Kraft beim Aufbau der kurpfälzischen Universität und lehrte auch selbst als Professor dort. Seine Schriften trugen dazu bei, dass im Konzil von Konstanz 1417 das abendländische Schisma (die Spaltung der Kirche mit 2 parallel amtierenden Päpsten) beendet werden konnte. 

Konrad von Gelnhausen starb am 13. April 1390 in Heidelberg und vermachte all seine Bücher der Hochschule. Dieses Erbe bildete den Grundstock der Universitätsbibliothek Heidelberg. 

Johann Jacob Christoph von Grimmelshausen

*1621/22

Irgendwann in den Jahren 1621 oder 1622 wurde in Gelnhausen der berühmteste Schriftsteller des Barock geboren: Johann Jacob Christoffel von Grimmelshausen lebte vermutlich bis zu seinem 12. Lebensjahr im heutigen Grimmelshausen-Hotel in der Schmidtgasse. Er besuchte die Lateinschule am Obermarkt, an deren Stelle sich heute das Stadtmuseum befindet. Als Gelnhausen im Jahr 1634 von kroatischen und schwedischen Reitern geplündert und zerstört wurde, floh er ins schwedisch besetze Hanau. Grimmelshausen erlebte den Dreißigjährigen Krieg (1618-48) und lebte nach wechselnden Anstellungen ab 1667 mit seiner Familie als Schultheiss (Bürgermeister) in Renchen im Schwarzwald, wo er im Jahr 1676 starb.

Seine Erlebnisse verarbeitete er in seinem weltberühmten Roman „Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“. Dieser erste deutsche Schelmenroman gibt einen eindrucksvollen, wortgewaltigen und gleichzeitig humorvollen Einblick in das Leben und Leiden der Menschen während des Dreißigjährigen Krieges, der das ganze Gebiet des Heiligen Römischen Reiches veränderte. Den berühmten Simplicissimus entwickelte Grimmelshausen weiter zu einem mehrbändigen und sehr lesenswerten Simplicianischen Zyklus. Daneben schrieb er noch zahlreiche weitere Werke in verschiedenen Gattungen. 

Das Museum Gelnhausen zeigt in der Grimmelshausen-Welt die größte zu besichtigende Sammlung von Erstausgaben seiner Werke und gibt einen spannenden Einblick in sein Leben und Wirken. 

Johann Philipp Reis

*1834

Am 7. Januar 1834 wurde Johann Philipp Reis in der Langgasse Nr. 45 in Gelnhausen geboren. Er besuchte die Bürgerschule am Obermarkt und ab 1845 das Institut Louis Frédéric Garnier in Friedrichsdorf am Taunus. Mit 14 Jahren wechselte er zum Hasselschen Institut nach Frankfurt am Main. Ab 1850 absolvierte er eine kaufmännische Lehre in Frankfurt im Farbwarengeschäft Beyerbach, besuchte aber danach die Polytechnische Vorschule und stürzte sich mit Begeisterung in naturwissenschaftliche Studien. Nach seinem Militärdienst wurde er selbst Lehrer am Institut Garnier in Friedrichsdorf. Er unterrichtete dort Französisch, Mathematik und Zeichnen. 

Lebenslang erfand, bastelte und tüftelte Philipp Reis. Er entwickelte unter anderem Schlittschuhe mit Rollen, quasi einen Vorläufer der Inline-skates und ein Velociped, ein dreirädriges Fahrrad mit Handantrieb. Nicht zuletzt seine Arbeit als Physiklehrer motivierte ihn, anschauliche Modelle und Experimente für den Unterricht zu entwickeln, was letztendlich auch den Anstoß für seine wichtigste Erfindung gab: „Durch meinen Physikunterricht dazu veranlasst, griff ich im Jahre 1860 eine schon früher begonnene Arbeit über die Gehörwerkzeuge wieder auf und hatte bald die Freude, meine Mühen durch Erfolg belohnt zu sehen, indem es mir gelang, einen Apparat zu erfinden, durch welchen es möglich wird, die Funktionen der Gehörwerkzeuge klar und anschaulich zu machen, mit welchen man aber auch Töne aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung reproduzieren kann. - Ich nannte das Instrument ‚Telefon'."

So beschreibt Philipp Reis seine bahnbrechende Erfindung mit eigenen Worten. Am 26. Oktober 1861 präsentierte er sein „Telefon“ zum ersten Mal vor dem Physikalischen Verein in Frankfurt. Die Reaktion fiel enttäuschend aus, seine Erfindung wurde als "Spielerei" abgelehnt. Philipp Reis erkrankte an einem Lungenleiden, vermutlich Tuberkulose, und starb am 14. Januar 1874 im Alter von nur 40 Jahren. 

Zwei Jahre nach dessen Tod ließ der Amerikaner Graham Bell „sein" Telefon patentieren - mit dem Eingeständnis, Reis' Arbeiten gekannt zu haben.

Ihrem berühmten Sohn zollt die Stadt Gelnhausen mit einer ungewöhnlichen Installation Tribut: Das begehbare Ohr im Museum Gelnhausen zeigt anschaulich den Weg vom Ohrmodell zum Telefonapparat.

Oskar Fischinger

*1900

Oskar Fischinger wurde am 22. Juni 1900 in Gelnhausen geboren. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik.  Er lernte Geige spielen und machte eine Orgelbauerlehre, danach eine Lehre als Zeichner beim Gelnhäuser Stadtbaumeister. 1916 zog er nach Frankfurt und beendete 1922 sein Studium zum Maschinenbauingenieur.

Fischingers Leidenschaft galt dem Trickfilm: Er entwickelte eine arbeitssparende Animations-Maschine; diese schnitt von einem Wachsblock dünne Scheiben, die mit Einzelbildschaltung aufgenommen wurden. So entstanden organische, fließende Bildsequenzen. Gleichzeitig begann Fischinger Animations-Versuche mit abstrakten Wachsfiguren und verwirbelten Farbflüssigkeiten. 1922 zog Fischinger nach München, 1927 nach Berlin wo er jeweils an verschiedenen Filmprojekten mit namhaften Filmemachern mitwirkte. Dank des großen Erfolges einer Serie zu Musikstücken synchronisierter, schwarz-weißer „Studien“, konnte Oskar Fischinger 1932 seinen Bruder Hans, seine Ehefrau Elfriede und drei Mädchen in seinem Fischinger-Studio beschäftigen. Er entwickelte fortwährend neue Techniken wie das subtraktive  3-Farben-Film-Verfahren "Gasparcolor" – mit dem er seinen ersten Farbfilm „Kreise“ realisierte. 1936 ging Fischinger endgültig nach Hollywood und arbeitet dort unter anderem mit Paramount, M-G-M, Disney und Orson Welles. Neben dem Filmemachen begann er Ölbilder zu malen und erhielt in den Kriegsjahren Stipendien der Guggenheim-Stiftung. Er starb nach einigen Jahren Krankheit am 31. Januar 1967 in Hollywood.

Oskar Fischinger gilt heute als Pionier des abstrakten Films. Seine größten Filmerfolge sind "Muratti greift ein", "Komposition in Blau" und "Motion Painting No. 1."